Vorwort Geschäftsbericht 2019

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              Christoph Gerlinger | CEO

Liebe Aktionäre,
Liebe Freunde der German Startups Group,

wir legen Ihnen heute unseren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2019 vor.

Die German Startups Group ist eine Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Berlin, die sich direkt oder indirekt über Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen insbesondere an Startups beteiligt, also Venture Capital zur Verfügung stellt. Der Fokus der German Startups Group liegt auf Unternehmen, deren Produkte oder Geschäftsmodelle eine disruptive, also sprunghafte, Innovation beinhalten, eine hohe Skalierbarkeit erwarten lassen und bei denen die German Startups Group an die unternehmerischen Fähigkeiten der Gründer glaubt, zum Beispiel wenn diese bereits Erfahrungen als Gründer oder leitende Mitarbeiter von Startups oder Company Buildern bezüglich dem Aufbau und der Führung von Startups sammeln konnten.

Im Jahr 2019 haben wir unser EBITDA von 2,3 Mio. EUR in 2018 auf 4,8 Mio. EUR in 2019 steigern können (IFRS Konzern). Das Gesamtergebnis 2019 beläuft sich auf 3.425 TEUR (2018: 675 TEUR), wovon 487 TEUR auf die Minderheitsgesellschafter der bis 17.12.2019 vollkonsolidierten Mehrheitsbeteiligung Exozet Berlin GmbH und 2.938 TEUR auf die Aktionäre der German Startups Group entfallen. Bei einer Durchschnittsanzahl von 11.327.485 Aktien in 2019 entspricht das einem Ergebnis je Aktie von 0,26 EUR nach Steuern (2018: 0,05 EUR).

Das Eigenkapital beinhaltet in der Regel auch einen fiktiven Anspruch der German Startups Group Management GmbH am Bilanzergebnis. Der Komplementärin steht an einem positiven handelsrechtlichen Ergebnis der German Startups Group GmbH & Co. KGaA, nach Verrechnung mit handelsrechtlichen Verlustvorträgen, ein „Gewinnvorab“ in Höhe von 25 Prozent zu. Wenn die Finanzanlagen am 31. Dezember 2019 zu ihrem IFRS Fair Value veräußert worden wären, hätte der Komplementärin eine Vorabausschüttung in Höhe von 1.019 TEUR zugestanden.

Haupttreiber für das sehr positive Ergebnis in 2019 war der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung Exozet Berlin GmbH an Endava plc., einem in New York börsengelisteten internationalen Technologiedienstleister und -beratungsunternehmen für Digitale Transformation mit Sitz in London, über 5.900 Mitarbeitern und zahlreichen Niederlassungen an verschiedenen Standorten in Europa, Nord- und Südamerika, dem ein strukturiertes M&A-Bieterverfahren vorangegangen war. Endava plc. konnte mit einem überzeugenden Konzept, einem guten Verhältnis zum Management Team und einem wettbewerbsfähigen Gebot als Sieger aus dem Bieterverfahren hervorgehen. Die German Startups Group konnte infolge dessen rund 10,8 Mio. EUR netto bzw. 1,00 EUR pro Aktie für ihren 50,77%igen Anteil an Exozet erlösen, was zum damaligen Zeitpunkt knapp 70% ihrer Marktkapitalisierung entsprach. Mithin betrug der Veräußerungsgewinn rund 6,2 Mio. EUR.

Bei 5 der 12 für die Gesellschaft wesentlichen Minderheitsbeteiligungen konnten wir einen Wertzuwachs verbuchen.

Insgesamt gab es in 2019 ein Neuinvestment (von nur 2.500 EUR nominal) –

  • German Crypto Tech

und ein Follow-On Investment bei dem folgenden für die Gesellschaft wesentlichen Portfoliounternehmen –

  • AuctionTech

sowie die folgenden Exits bzw. (Teil-)Veräußerungen –

  • Chrono24,
  • Dalia Research,
  • Datapine,
  • Exozet,
  • Mister Spex und
  • Service Partner One.

Zum 31. Dezember 2019 hält die Gesellschaft 12 für sie wesentliche Beteiligungen. Diese 12 für die Gesellschaft wesentlichen Beteiligungen machen zusammen 92% des Werts aller 30 aktiven Minderheitsbeteiligungen aus. Allein auf die 8 Fokusbeteiligungen entfallen 86% des Werts aller 30 aktiven Minderheitsbeteiligungen.

Wir bewerten die von uns gehaltenen Unternehmensanteile überwiegend auf Basis der von fremden Dritten zuletzt für gleiche oder ähnliche Anteile bezahlten Preise. Dies ist bei 9 der 12 für die Gesellschaft wesentlichen Beteiligungen der Fall. Bezogen auf den Wert des Gesamtportfolios sind 72% des Fair Value fremdobjektiviert. 28% des Fair Value des Gesamtportfolios verkörpern eine Höherbewertung gegenüber dem letzten fremdobjektvierten Anteilspreis aufgrund einer Anpassung des fremdobjektivierten Anteilspreises oder der Anwendung alternativer Bewertungsmethoden.

Die German Startups Group strebt eine Transformation vom Asset-Owner zu einem Asset Manager an und verändert ihr bisheriges Geschäftsmodell der Erzielung des Wertzuwachses von Beteiligungen in der eigenen Bilanz in Richtung nachhaltiger Management Fees aus Anlagen außerhalb ihrer eigenen Bilanz. Die Loslösung von der eigenen Bilanz eröffnet uns ganz neue Wachstumsperspektiven, weil wir aufgrund des – in unseren Augen im derzeitigen Aktienkurs verkörperten – deutlichen Discounts auf den NAV pro Aktie zur Vermeidung einer Verwässerung unserer Aktionäre auf dem aktuellen Kursniveau von Kapitalerhöhungen abgesehen haben und das auch weiter tun. Für die Entwicklung vom Asset-Owner zum Asset-Manager gibt es unter deutschen Beteiligungsgesellschaften erfolgreiche Beispiele.

Bzgl. unserer Minderheitsbeteiligungen stellen wir bis auf Weiteres die Gewinnrealisierung durch Anteilsverkäufe aus dem Minderheitenportfolio in den Vordergrund. Zusätzlich halten wir an den in 2017 durchgeführten weitreichenden Kostensenkungsmaßnahmen fest. Unter anderem verzichtet die Komplementärin seit 1. Juli 2017 bis auf weiteres auf einen wesentlichen Teil der Geschäftsführungs- und Haftungsvergütung („Management Fee“). Unsere Veräußerungserlöse können wir wie bisher auch für Aktienrückkäufe nutzen, nachdem wir unsere Finanzverbindlichkeiten in 2019 und in 2020 ganz überwiegend getilgt haben.

Wir haben den Rechtsstreit mit der von Murat Ünal geführten SoNeAn GmbH in Kronberg im Taunus in zweiter Instanz gewonnen und von dieser über die bereits einbehaltenen 30.000 EUR hinaus nun zusätzlich knapp 80.000 EUR der in 2014 an SoNeAn geleisteten Vergütungen inkl. Zins wegen Schlechterfüllung zurückerhalten.

Die German Startups Group fordert von Nikolas Samios, Geschäftsführer von PropTech1 Ventures und ehemaliger COO/CIO der GSG in den Jahren 2014 bis 2017 gerichtlich eine Vergütung von 130.000 EUR zurück, die seine wiredworld GmbH in 2015 bei dem Anteilsverkäufer eines Unternehmens eingefordert und vereinnahmt hat, an dem sich die GSG im gleichen Jahr mit 1,76 Mio. EUR beteiligte. Wir sind der Auffassung, dass diese drittseitige 7,4%ige Vergütung zu unseren Lasten erfolgte und zudem marktunüblich hoch war und uns somit zu erstatten ist. Die Gegenseite ist anderer Meinung und verteidigt sich gegen die Klage. Nikolas Samios hatte Christoph Gerlinger zwar ex ante die Absicht offengelegt, im Falle eines Anteilskaufvertrags bei den Verkäufern einen Provisionsanspruch geltend zu machen. Einen solchen geltend zu machen hatte ihn Christoph Gerlinger sodann aufgefordert zu unterlassen und stattdessen höchstens eine Abfindung für von ihm erbrachte, noch nicht vergütete Leistungen zu vereinbaren, weil es ausgerechnet die von Nikolas Samios damals mitgeleitete GSG selbst war, die die fraglichen Anteile erwarb, und das dem Streubesitz und der Anlegerpresse nicht erklärbar sei, sondern eine Art Skandal und Entrüstung verursachen würde.

Nikolas Samios‘ wiredworld GmbH klagt gegen Exozet auf Zahlung in Höhe von 782.400 EUR im Zusammenhang mit virtuellen Optionen, die seiner wiredworld holding GmbH im Zusammenhang mit seiner Beratungs- und Beiratstätigkeit bei Exozet Ende 2016 zugestanden worden waren. Die ehemalige GSG-Mehrheitsbeteiligung Exozet hatte zu dieser Beratungs- und Beiratstätigkeit allerdings am 21.09.2017 die fristlose Kündigung erklärt, genau wie bzgl. der von wiredworld gehaltenen virtuellen Optionen am 21.11.2017. Kurz zuvor war Nikolas Samios am 19.07.17 die Prokura der Mehrheitsgesellschafterin GSG entzogen worden und waren seine Dienstleistungsverträge mit sofortiger Wirkung entschädigungslos aufgehoben worden. Zu dem Gelingen des über zwei Jahre später erzielten Verkaufserfolgs bezüglich der Exozet hat Nikolas Samios nach unserer Kenntnis auch keinen konkreten Beitrag geleistet. Im Rahmen einer als Verkäuferin von Exozet-Anteilen übernommenen Freistellungsverpflichtung trifft uns das Ergebnis seines Rechtsstreits gegen die Exozet wirtschaftlich zu 51% und die übrigen Verkäufer zu 49%. Wir halten die Ansprüche für unangemessen und unbegründet, haben aber aus kaufmännischer Vorsicht eine buchhalterische Vorsorge getroffen, die nach unserer Einschätzung ausreicht, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der GSG in den Jahren 2020ff. durch den Sachverhalt nicht beeinträchtigt werden.

Die Rechtsauseinandersetzungen mit den beiden ehemaligen Geschäftsführern der inzwischen liquidierten MimoOn GmbH wurden in 2019 fortgesetzt. Gegen die Geschäftsführer der MimoOn GmbH (vermutlich gedeckt durch deren D&O Versicherung) hatten wir in 2016 Klage auf Schadenersatz iHv. 260 TEUR wegen unrichtiger und unvollständiger Informationen bei Vertragsabschluss eingereicht.

Die Aktien der German Startups Group werden seit 11. November 2015 an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Das gesamte Grundkapital von 11.984.400 Aktien der German Startups Group ist in den Handel im Qualitätssegment Scale der Deutschen Börse einbezogen. Mit der Kursentwicklung sind wir leider unverändert nicht zufrieden.

Am 22. Mai 2019 haben wir ein weiteres öffentliches Aktienrückkaufangebot über bis zu 900.115 Aktien zu 1,50 EUR ausgesprochen, das am 8. Juli 2019 erfolgreich abgeschlossen wurde. Derzeit besitzen wir 1.130.400 eigene Aktien.

Wir danken unserem Team für die geleistete Mitarbeit und ihren Beitrag zum gemeinsamen Erfolg.

Berlin, im Juni 2020

Das Management
German Startups Group GmbH & Co. KGaA

 

Christoph Gerlinger                                                                     

CEO | Geschäftsführer

German Startups Group
Management GmbH

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